|
Der deutsche Mittelstand als Träger unseres Wohlstandes zerbröselt |
|
|
|
|
pro NRW -
Aktuelles
|
|
Mittwoch, 7. Mai 2008 |
Wer arbeitet ist der Dumme
Von 100,00 € Arbeitskosten blieben im Jahr 2007 nach Abzug von Lohnsteuern und Sozialbeiträgen noch 47,80 € übrig. Unter den 30 OECD-Ländern quält die Bundesrepublik ihre Arbeitnehmer mit der dritthöchsten Belastung. Auch hierdurch ist unser Sozialstaat aus der Balance geraten. Ausgerechnet die Mittelschicht, also Facharbeiter und Angestellte, die wie keine andere soziale Gruppe den deutschen „Wohlfahrtsstaat“ trägt, leidet unter akutem Substanzverlust. Immer mehr Bürger machen sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft.
Seit dem Jahr 2000 wurden rund 5 Millionen Bundesbürger aus dem Mittel der Gesellschaft an den Rand gedrängt. Zugleich werden die Randzonen größer: einerseits wachsende Armut, anderseits explodierender Reichtum. Früher galt die Bundesrepublik unter Sozialforschern einmal als „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“. Das bedeutet, dass der Mittelstand die tonangebende Schicht war, während es Superreiche und ganz Arme zwar gab, aber nicht in nennenswertem Umfang. Das war zu den wenigen Zeiten einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft. Heute regiert der globale Neoliberalismus bzw. Turbokapitalismus und zeigt auch in der Bundesrepublik sein wahres Gesicht: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die so genannte Mittelschicht zerbröselt unaufhaltsam. Diese Tendenz wurde seitens der Altparteien lange geleugnet. Doch jetzt hat das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aktuelle Zahlen zur Einkommensverteilung in der Bundesrepublik vorgelegt. Demzufolge ist die Mittelschicht allein in den Jahren 2000 bis 2006 von 62 % der Bevölkerung auf nur noch knapp über 50 % zusammengeschmolzen. Die hochinformative DIW-Studie belegt noch einen weiteren Trend: Weit mehr Menschen sind aus der Mittelschicht ab- als aufgestiegen: „Die verfügbaren Realeinkommen sind in der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung insgesamt nur mäßig gestiegen, von 2003 bis 2006 sind sie aber deutlich zurückgegangen.“ Außerdem habe die „Einkommensspreizung“ zugenommen, also die Kluft zwischen Arm und Reich. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten die DIW-Forscher bei den untersten Schichten: Personen mit einem Einkommen von weniger als 70 % des Durchschnittseinkommens machten 2006 über ¼ der gesamten Bevölkerung aus – ihr Anteil ist seit dem Jahr 2000 um 7 % gestiegen.
Hierzu erklärt der pro NRW-Vorsitzende Rechtsanwalt Markus Beisicht: „Unstreitig wurden die Taschen der deutschen Arbeitnehmer dank einer völlig verfehlten Wirtschaftspolitik der gesamten politischen Klasse in diesem Lande in den letzten Jahren immer leerer. Die politische Klasse plündert die so genannte Mittelschicht, also die wahren Leistungsträger unserer Gesellschaft regelrecht aus. Das was z. B. die große Koalition großspurig „Aufschwung“ nennt, wird nahezu vollständig von den Arbeitern und Angestellten in diesem Land bezahlt. Ihnen verbleibt letztendlich netto jedes Jahr etwas weniger. Dringender denn je ist heute eine echte Steuerreform nötig, die insbesondere die mittleren Schichten spürbar entlastet und Schluss macht mit der von der politischen Klasse zu verantwortenden Ausbeutung der Arbeitnehmer“.
|